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Widerstandslosigkeit in der Kampfkunst

Widerstandslosigkeit bedeutet nicht unbedingt, nichts zu tun oder das man sich gegen einen physischen Angriff nicht auch physisch verteidigen darf. Sie bedeutet nur, dass alles Tun nicht mehr reaktiv ist. Erinnert man sich an die tiefe Weisheit, die allen östlichen Kampfkünsten zugrunde liegt: Leiste der Angriffsenergie des Gegners keinen Widerstand, sondern sei im Fluss und siege.

Nichtstun ist gar nicht so einfach

Doch „Nichtstun“ in einem Zustand intensiver Gegenwärtigkeit ist ein machtvoller Heiler und Wandler von Situationen und Menschen. Im Taoismus gibt es den Ausdruck wu-wei, gewöhnlich mit „Tun im Nichtstun“ oder „Still sitzen und nichts tun“ übersetzt. Im alten China wurde diese Fähigkeit als eine der höchsten Tugenden angesehen. Sie unterscheidet sich grundlegend von der Untätigkeit, die ein normaler Zustand im Bewusstsein – oder eher Unbewusstsein – hervorbringt die auf Angst, der daraus resultierende Faulheit (bzw. Motivationslosigkeit) oder auf die Unfähigkeit gründet, sich zu entscheiden. Das wahre „Nichtstun“ entsteht aus innerer Widerstandslosigkeit und intensiver Wachheit.

Wenn dagegen Aktion gefragt ist, dann wirst du nicht aus deinem konditionierten Verstand reagieren, sondern der Situation aus deiner bewussten Gegenwärtigkeit heraus begegnen. Dein Verstand ist dann von Konzepten frei – und das schließt das Konzept der Gewaltlosigkeit ein.

Widerstand ist Rechtfertigung

Das Ego glaubt, in deinem Widerstand liege deine Stärke, doch in Wahrheit schneidet der Widerstand dich vom sein, vom einzigen Ort wahrer Stärke ab. Widerstand ist eine Maske aus vorgegebener Stärke, hinter der sich Schwäche und Angst verbergen. Was dem Ego als Schwäche scheint, ist in Wahrheit dein Sein in seiner Reinheit, Unschuld und Macht. Was ihm als Kraft erscheint ist nichts als Schwäche. Das Ego lebt also im Ständigen Widerstand und imitiert irgendwelche Rollen, um deine „Schwäche“ zu verdecken, die in Wirklichkeit deine Macht ist.

„Be water my friend”

In den östlichen Kampfkünsten hat man gerne die Eigenschaften des Wassers erwähnt, um zu verdeutlichen wie sich ein „Kämpfer“ am geschicktesten verhalten sollte. Wasser ist formlos und kann sich somit an jede gegebene Situation perfekt anpassen. Es ist auf der einen Seite extrem weich und nachgiebig und befindet es sich einmal im Fluss, so umgeht es jeden Widerstand der sich ihm entgegenstellt. Auf der anderen Seite jedoch kann der Fluss auf seinem Weg zum Meer nicht einmal vom härteste Gestein aufgehalten werden.

Bildnachweise (von oben nach unten): Foto: Fels und Brandung von Cole Patrick CC by 1.0 Bildgröße verändert