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Kung Fu – vom Kloster in die Hollywood Studios

Eckdaten

Namensbedeutung: Kung Fu chinesisch 功夫, übersetzt für 'Etwas durch harte, geduldige Arbeit Erreichtes'
Entstehungsdatum: vor etwa 1.500 Jahren
Ursprungsland: China
Kampftechniken:
(Waffenlos)
Diverse Hand- und Fußtechniken
Waffenkampf:
Eingesetzte Waffen: Stock, Speer, Säbel, Schwert, uvm.

Im Westen wird für chinesische Kampfkünste meistens der Begriff „Kung Fu“ verwendet: Kung Fu heißt übersetzt soviel wie „harte Arbeit“ und steht in China für Fähigkeiten, die durch langes und stetiges Üben erreicht wurden.

Das trifft für die Kampfkünste zu, kann aber auch beispielsweise für einen Musiker stehen, der sein Instrument virtuos beherrscht oder für einen Koch, der besonders ausgefeilte Gerichte zubereitet. Verbreitet hat sich dieser Begriff durch in die USA eingewanderte Chinesen, die überwiegend südchinesische Dialekte gesprochen haben.

Vor allem durch Filmstars wie Bruce Lee hat sich „Kung Fu“ dann als Begriff für chinesische Kampfkunst etabliert.

武术


Schriftzeichen für „Wushu“

In China hingegen werden meist die Begriffe „Wushu“, „Gong Fu“ und „Quanfa“ für die Kampfkünste verwendet.

Wushu ist hierbei der allgemeine chinesische Begriff für Kampfkünste, der sowohl die traditionellen chinesischen Kampfkünste als auch die auf standardisierten Regeln basierende Sport Variante der chinesischen Kampfkunst umfasst. Der Begriff „Wu“ steht wörtlich für Kampf oder Militär, „Shu“ steht immer für Kunst. Das Zeichen für Wu setzt sich aus den Zeichen „Zhi“ und „Ge“ zusammen. Wobei „Zhi“ so viel wie „stoppen“, „beenden“ oder „nicht machen“ bedeutet. „Ge“ steht für den Kampf.

Dies enthüllt die traditionelle Bedeutung des Begriffes: nicht die Kunst einen Gegner zu besiegen und ihm Schaden zuzufügen, sondern die Kunst nicht zu kämpfen bzw. einen Kampf möglichst schnell zu beenden:

„Die Waffen sind unheilvolle Geräte,
nicht Geräte für den Edlen.
Nur wenn er nicht anders kann, gebraucht er sie.
Ruhe und Frieden sind ihm das Höchste.“

Laozi, Dao de Jing

Mit Wushu sind alle Kampfkünste gemeint die sich in China entwickelt haben.
Da sich in unseren Breitengraden jedoch der Begriff „Kung Fu“ etabliert hat, wird der Artikel diesen auch zur Grundlage nehmen.

Geschichtliche Hintergründe

Die Entstehung der chinesischen Kampfkünste, wie sie heute bekannt sind, lässt sich ziemlich genau datieren. In vielen buddhistischen und daoistischen Klöstern wurde im 2. Jahrhundert nach Christus auf Grundlage von Atem- und Gymnastikübungen sowie Meditation das sogenannte „Qi Gong“ entwickelt und seitdem dort praktiziert.

Die Basis vieler chinesischer Kampfkünste

Qi Gong bildet bis heute die Basis vieler chinesischer Kampfkünste.
Ein erster Bericht über die Verbindung von Qi Gong und Kampftechniken kommt aus dem Shaolin Kloster:Und zwar aus dem Jahr 520, als der indische Mönch Bodhidharma in die nordchinesische Provinz Henan kam und sich dort im Shaolin-Kloster nieder ließ, welches auf dem Berg Songshan liegt. Bodhidharma gilt als Begründer des Chan-Buddhismus, der uns bekannter ist unter dem japanischen Wort Zen. Die von ihm gegründete Meditation hat das Ziel durch die Einheit von Körper und Geist einen Zustand ungetrübter Aufmerksamkeit zu erreichen.

Die Mönche lernten Bodhidharmas Form der Meditation und bauten sie in ihr Qi Gong ein, das sie täglich praktizierten, als Ausgleich zur harten Arbeit im Kloster und auf den Feldern.

Außer Soldaten und Mönchen gab es nicht viele Menschen in der Gegend, so wurden die Mönche ständig Opfer von Überfällen durch Räuber. Durch die neuen Übungen verfügten die Mönche jedoch über eine bessere Konzentration, Wahrnehmungsfähigkeit und Körperbeherrschung. Was dazu führte, dass sie im Notfall viel schneller reagieren und einen Hinterhalt eher bemerken konnten, zudem lernten die Mönche von den Soldaten Selbstverteidigungstechniken und verbanden diese mit den Atem- und Meditationsübungen.

Darüber hinaus kannten die Mönche sich sehr gut in Medizin aus. Sie entdeckten, dass bestimmte Nervenpunkte, die sie bei Massage und Akupunktur zur Entspannung des Körpers anwandten, auch negativ stimuliert werden konnten.

In den kommenden Jahrhunderten wurden diese Techniken ständig erweitert und verbessert.

Außerdem wurden Regeln festgelegt, die auf Tugenden wie Disziplin, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit sowie gegenseitiger Achtung und Rücksichtnahme beruhten.

Es ging also weniger darum einen Gegner zu besiegen, als durch die Übungen und Regeln seine eigenen Schwächen und Mängel zu überwinden.

Wie beschrieben haben die Shaolin – Kampfkünste ihren Hintergrund im Chan bzw. Zen- Buddhismus. Daneben gibt es in China auch viele Kampfkunstsysteme, die mit der chinesischen Philosophie des Daoismus in Verbindung stehen: „Dao“ heißt so viel wie: Weg, Straße oder Prinzip und bildet für die Daoisten ein allumfassendes, die ganze Welt durchdringendes Schöpfungsprinzip sowie den Ursprung der Welt und damit auch der Ursprung und die Vereinigung der Gegensätze: „Yin und Yang“ – also Himmel und Erde, Licht und Schatten usw..

Alle Dinge werden durch diese Gegensätze bestimmt, welche sich gegenseitig erzeugen und immer als Einheit zu verstehen sind. Im Kung Fu ist die Vereinigung von Yin und Yang z.B. in den Formen („Taolu“) zu erkennen: Harte und weiche, schnelle und langsame Bewegungen gehen ständig ineinander über und bilden einen durchgehenden Fluss.

Daoismus und das Wudang-Gebirge

Die daoistischen sog. „weichen“ Kampfkunstsysteme haben ihren Ursprung im Wudang-Gebirge, wo es heutzutage noch zahlreiche Tempel und Klöster gibt, in denen sich Mönche in Kampfkunst üben. Der Legende nach wurde der Wudang-Stil von dem Wandermönch Zhang San Feng gegründet.

Zhang San Feng (1279-1368) war ein Meister des Shaolin Kung Fu.
Er verließ Shaolin, um sein Wissen über die Kampfkünste zu erweitern.
Während dieser Zeit kam er zu den Wudang-Bergen und wurde dort daoistischer Mönch. Eines Tages beobachtete er dort einen Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange: Wobei die Schlange den Angriffen des Kranichs ständig mit wenigen Bewegungen ausgewichen ist, bis der Kranich vor Erschöpfung aufgeben musste.

Da erkannte Zhang San Feng, dass Ausweichen der Schnelligkeit überlegen sein kann und gründete eine neue Kampfkunst, die er als „Vögel und Schlangen“ bezeichnete. Später entwickelte sich daraus das Taijiquan, (in der westlichen Welt allgemein als „Tai Chi“ bekannt). Seit Zhang San Feng werden zahlreiche Kampfkünste in Wudang praktiziert.

Kriegskunst wird zum Volkssport

Im Laufe der Jahrhunderte verbreiteten sich die Kampfkünste auch außerhalb der Klöster. Und seit der Gründung der Republik China (1.1.1912) entwickelten sich die alten Kampfkünste mehr und mehr zum Volkssport. Seit den 1980er Jahren begannen sich chinesische Kampfkünste auch außerhalb Chinas als „Kung Fu“ zu verbreiten. Das geschah vor allem durch die unzähligen Martial Arts-Filme, die inzwischen ein eigenes Filmgenre bilden und auch aus großen Filmstudios wie Hollywood nicht mehr wegzudenken sind.

Charakteristik und Aufteilung der Kung Fu Stile

Es existieren inzwischen mehr als 500 Kung Fu Stile, die sich grob vereinfacht in folgende Charakteristika unterteilen lassen:

  • Neijia
  • Waijia
  • Nördliche Schule
  • Südliche Schule

Neijia:

Als „Neijia“ werden die sogenannten inneren und weichen Kampfkünste bezeichnet, wie sie beispielsweise in Wudang gelehrt werden. Im Neijia wird gelehrt schnellen und harten Angriffen mit Nachgiebigkeit und Gewandtheit zu begegnen.

Waijia:

Als „Waijia“ werden die sogenannten äußeren und harten Kampfkünste bezeichnet. Sie haben ihren Ursprung im Shaolin Kloster. Im Waijia steht das Training von Muskeln, Sehnen und Knochen im Vordergrund, um Kraft und Schnelligkeit zu verbessern.

Diese Aufteilung in Neijia und Waijia ist allerdings recht jung und stark vereinfachend, da alle Bereiche, die dem Waijia zugeschrieben werden auch im Neijia vorhanden sind und andersherum. Es wird lediglich der Schwerpunkt jeweils anders gesetzt.

Nördliche Schule:

Als „nördliche Schule“ werden Kampfstile bezeichnet, die in Nordchina entwickelt wurden. Sie legen ihren Schwerpunkt auf den Kampf aus der Distanz und bevorzugen hohe, schnelle Fußtechniken und Sprünge.

Sprung aus einem "Nordstil": "Changquan" (Langfaust)
Sprung aus einem „Nordstil“: „Changquan“ (Langfaust)

Südliche Schule:

Als „südliche Schule“ werden Kampfstile bezeichnet, die in Südchina entwickelt wurden. Sie legen ihren Schwerpunkt auf den Nahkampf und bevorzugen kurze, dynamische Handtechniken sowie tiefe Stände. Auch diese Aufteilung ist vereinfachend, da sich viele Stile so vermischt haben, dass sich häufig gar nicht erkennen lässt, wo genau der Schwerpunkt liegt.

Was für Elemente enthält das Kung Fu Training?

Durch die Vielzahl an Kung Fu Stilen, gibt es weder ein einheitliches Graduierungssystem noch einheitliche Trainingsabläufe. Stilübergreifende Gemeinsamkeiten gibt es dennoch: Zu Beginn des Trainings steht in der Regel das Aufwärmen und Dehnen.

Im Anschluss kommen häufig die Basics, was in vielen Stilen das Qi Gong bildet. Qi Gong dient dem Öffnen und Lockern der Gelenke, dem Erlernen verschiedener Atemtechniken sowie der Konzentration.

Das Basis Training kann ebenso Hand- und Fußtechniken sowie Stellungen und Schritte enthalten.
Die Handtechniken sind für jeden Stil speziell. Das gleiche gilt für die Stellungen und die Schritte,
mit der Ausnahme, dass im sog. „Wu Bu Quan“ (Fünf Schritte Faust) fünf Stellungen
durchgenommen werden, welche durchaus als Basisstellungen für einen Großteil der Kung Fu
Stile bezeichnet werden können.

Diese Stellungen lauten:

  • Gong Bu – Bogenstand
  • Ma Bu – Reiterstand
  • Xie Bu – Keilstellung
  • Pu Bu – flache Stellung
  • Mao Bu – Katzenstand

Die Fußtechniken lassen sich grundlegend in geschnappte Fußtritte, Fußtechniken mit gestrecktem
Bein sowie gesprungene Tritte unterscheiden.

Im Anschluss an dieses Basics kommen die Formen (Taolu). Die Formen bilden sozusagen das Workout der Kampfkünste und vereinen alle Bereiche aus dem Basistraining miteinander. Neben den Handformen existieren auch Formen mit Trainingswaffen wie Säbel, Stock, Hellebarde, Kettenpeitsche oder Schwert.

Da diese nur zum Vorführen gedacht sind, gehören ihre Bewegungen häufig zu den aufwendigsten
und akrobatischsten.

Kampfsport-Videos
Kung Fu Partnertraining

Je nach Trainingsaufbau folgt häufig der Partnerdrill für den Kampf oder Techniken zur Selbstverteidigung.

Diese bauen natürlich auf den stileigenen Bewegungen auf. Bei wettkampfbezogenen Stilen kann hier ebenso das Ausdauertraining im Vordergrund stehen. Ein Beispiel für den wettkampfbezogenen Partnerdrill ist das Pratzentraining im „Sanda“, welches sehr dem Muay Thai oder Kickboxen ähnelt.

Ein Beispiel für einen traditionellen Kung Fu – Partnerdrill ist das sogenannte „Chi Sao“ (klebende Hände). Auf diese Übung hat sich beispielsweise das Wing Tsun spezialisiert. Dort werden in festgelegten Hand- und Fußstellungen Angriffe des Trainingspartners abgeleitet und entsprechend gekontert, welche wiederum vom Partner abgeleitet und gekontert werden.

Später wird die Geschwindigkeit sowie die Komplexität der Technik erhöht. Die höchste Stufe ist schließlich die Durchführung mit verbundenen Augen.

Warum wird heutzutage noch Kung Fu trainiert?

Die Gründe heutzutage noch Kung Fu auszuüben sind vielfältig:
So ist es eine Möglichkeit in den kraftvollen und ästhetischen Bewegungen einen körperlichen
Ausdruck zu finden oder auch ein Bewusstsein für seinen Körper und die eigenen
körperlichen Grenzen zu erlangen
und zu lernen einen vernünftigen Umgang damit zu
entwickeln.

Es ist darüber hinaus eine gute Möglichkeit Kraft, Disziplin sowie die eigene Körperhaltung zu
trainieren und allgemein etwas für sein Selbstbewusstsein und sein körperliches Wohlbefinden zu
tun.

Man lernt ebenso Körper und Geist zusammenzubringen sowie Konzentration,
Aufmerksamkeit und Stressmanagement zu trainieren.

Durch die enge Verwobenheit mit der alten chinesischen Philosophie und Kultur ist es gleichzeitig
möglich diese auf besondere Weise kennenzulernen.
Natürlich lernt man auch Selbstverteidigung, Umgang mit Ängsten und Aggressionen,
Selbstkultivierung und respektvolles Verhalten unter nicht alltäglichen Umständen (beispielsweise
im Zweikampf).

Selbstverständlich kann es auch einfach als Hobby gesehen werden, das gesund hält, Spaß macht, einen Ausgleich zum Alltag bietet und soziales Verhalten fördert.

Kung Fu in Deutschland

Kung Fu Schulen finden sich in jeder Stadt in Deutschland ab ca. 50 000 Einwohnern, häufig auch
in kleineren Städten. Durch die Vielseitigkeit der einzelnen Stile wird hier eine breite Auswahl je
nach persönlichen Vorlieben (mehr Meditation und Tradition oder mehr Sport und Wettkampf etc.)
angeboten.

Berlin bildet defintiv die Hochburg für Kung Fu in Deutschland, dort befindet sich zum Beispiel auch ein Zentrum für Shaolin Kung Fu sowie für Wudang Kung Fu.



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