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Warum BUDO kein Sport ist und was BUDO-Pädagogik wirklich bedeutet

Selbsterziehung und Anfängergeist als Notwendigkeiten einer pädagogischen Weiterbildung

Budo-Pädagogik nutzt östlich-philosophische Konzepte und kombiniert diese mit erziehungswissenschaftlichen Methoden. Damit wird den Schülern ein Weg bereitet, um den Lebensalltag besser zu meistern. Wie das Ganze funktioniert, wird im nachfolgenden Beitrag beschrieben.

Was ist Budo?

BUDO (jap.“Der Weg den Kampf zu beenden“) wird allgemein als Oberbegriff für traditionelle fernöstliche Kampfkunst verwendet. Im Unterschied zum wettkampforientierten Kampfsport, verfolgen BUDO-Systeme nicht den Sieg in einer Disziplin, sondern die persönliche Entwicklung des Übenden als Mensch. Dies bedingt als Voraussetzung, das intensive „Arbeiten“ an der eigenen Haltung im Inneren (moralisch-ethisch), wie im Äußeren (körperlich).

Nach Wolters [1] steht BUDO hierbei in traditioneller Nähe zu bewährten fernöstlichen, den Menschen in seiner Ganzheit als Körper-Seele-Geist-Wesen erfassenden Systemen wie Yoga, Qi-Gong, TCM, Ayurveda und ist von philosophischen Systemen wie Daoismus, Konfuzianismus und Zen-Buddhismus beeinflusst.

 [1] siehe Wolters Jörg – Michael (2014): „Budo- Das Wesen der Kampfkunst und das geheime Wissen der Meister“ in Wolters/Schröder/Schmitz (Hrsg.): Budopädagogik – Das erzieherische Wesen der Kampfkünste und budopädagogische Perspektiven. (Amazon-Link) Norderstedt; und Wolters Jörg-Michael (2016): „Budo wirkt – Pädagogik, die bewegt. Eine Analyse warum und wozu“ in Wolters/Nachtlberger (Hrsg.): Budo-Pädagogik und Therapie. Beispiel aus der erfolgreichen Praxis, Purkersdorf bei Wien

Was ist Budo-Pädagogik?

BUDOPÄDAGOGIK als bewährte erziehungswissenschaftlich begründete Methode schafft den systemischen Rahmen für attraktive Lehr-Lernarrangements, in denen der professionelle Budopädagoge individuell ausgewählte Kampfkunstelemente zielgerichtet und systematisch einsetzt, um beim Klienten konkrete Erlebnisse zu ermöglichen, die zu bedeutsamen (Kontrast- und Grenz-)Erfahrungen führen, den Horizont der Klienten erweitern und ihm damit letztlich nachhaltig neue Strategien für seinen Lebensalltag zur Verfügung stellen.

Dabei wird das vom Budopädagogen initiierte Tun im Kontext gemeinsamer Bewegung, Begegnung und Besinnung vom Klienten freudvoll, am eigenen Leib tief empfunden und so die Grundlage für beabsichtigte Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei ihm, angestoßen.

Budo-Pädagogik lehrt Respekt im Umgang mit Menschen

Budo-Pädagogik lehrt Respekt im Umgang mit Menschen

Worauf gründet sich die Wirksamkeit einer „Kampfkunst“-Pädagogik und warum hat das nichts mit Sport zu tun?

Jeder und jede ernsthaft praktizierende Budoka weiß, was es bedeutet „auf dem Weg zu sein“, wieviel Bemühens und Anstrengung es bedarf, sich in und an seiner Kampfkunst weiter zu entwickeln, vom Schüler zum Fortgeschrittenen, vom Fortgeschrittenen vielleicht gar zum Meister/Meisterin. Der echte Weg ist nicht leicht, nicht kurz, sondern hart, unendlich lebendig und tief. Budoka, die solcherart ihre Kampfkunst mit ganzem Herzen und Sinn begreifen und mit stets offenem Geist erfüllen, unterziehen sich freiwillig einer persönlichen Selbsterziehung zu menschlicher Reife.

Unter verantwortungsvoller Führung durch einen Lehrer/Sensei/Meister, einem, der „den Weg bereits vorausgegangen ist“ übt sich der Budoka in einem speziellen dem Üben würdevoll gewidmeten Raum, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter (DOJO), vertieft sich wieder und wiederkehrend in seine persönliche Kampfkunstpraxis, in das Üben um des Übens Willen.

Damit steht das Wesen von BUDO, den Grundsätzen von (Wett-)Kampfsport diametral gegenüber.

Budo-Pädagogik nutzt das "erzieherische Wesen" von Kampfkunst als Weg zur besseren Persönlichkeitsentfaltung

Budo-Pädagogik nutzt das „erzieherische Wesen“ von Kampfkunst als Weg zur besseren Persönlichkeitsentfaltung

Der Schwerpunkt beim Kampfsport

Im sportlichen Kontext bestimmt immer ein äußerlich messbarer Erfolg als angestrebtes Ziel, das Training. Der Mensch übt sich nicht in seiner Ganzheit als Körper- Seele – Geistwesen, sondern bildet einzelne Fertigkeiten und Fähigkeiten aus. Die gesamte harte Arbeit des Sportlers wird an dem Erreichen einer äußeren Leistungsvoraussetzung für Erfolg ausgerichtet. Auch im Kampfsport drücken sich menschliche Werte wie z.B. Respekt und Gemeinschaft im Gedanken sportlicher Fairness und Teamgeist aus. Doch die Schwerpunktsetzung und Zielrichtung ist eine andere.

Sich auf BUDO einzulassen, bewirkt nun nicht das Ringen um einen Sieg, sondern das Ringen mit der eigenen Natur und ihren Schattenseiten, der „Kampf mit sich selbst“, gegen die eigenen Ängste und destruktiven Verhaltensmuster, wird thematisiert und bewältigt.

Was bedeutet Budo eigentlich?

 

„BU“ Das Schwert stoppen

 

 

„Do“ der Weg, der Prozess, das Bemühen

 

(BU) als zentrales Thema von BUDO, als dem „Weg (DO), den Kampf zu beenden“, bildet sodann den Kern budopädagogischer Auseinandersetzung als professionelle Methode der systematischen Förderung menschlicher Entwicklung und Verhaltensweisen Es geht also um den Weg, zu sich selbst, Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung und die professionelle (budo)pädagogische Hinführung innerhalb dieses Prozesses.

Die Wirksamkeit budopädagoischen Handelns ist dabei vor allem – durch die Authentizität des Budopädagogen bestimmt. Budopädagogen wissen, dass der Weg zum Frieden nicht über die Ausblendung gewalttätiger, destruktiver Faktoren, die der Menschheit innewohnen, führt, sondern die Transformation dieser Anteile verlangt, durch bewusste und gezielte Auseinandersetzung, durch mutiges, wie mitfühlendes Einlassen auf diese Selbstkonfrontation.

Budo-Pädagogik hilft Konflikte zu meistern

Das ganze Leben, jeder Konflikt im Innen wie Außen, wird zur herausfordernden Übung im friedvollen Menschsein. Auf der Basis von ISHIN- DENSHIN (von Herz-Geist zu Herz-Geist) überträgt der Budopädagoge sein Wissen und Verstehen, so auch um die prozesshafte Natur des Lebens, ganz ohne Worte – im aktiven, vorgelebten Tun, als Vorbild. Dabei ist der Budopädagoge reflexiv und in ständiger Selbsterziehung begriffen. Das beinhaltet und bedingt seine lebenslange Lernbereitschaft, auf Basis einer Geisteshaltung, die der offenen Neugier eines Kindes, oder Anfängers in einer Disziplin entspricht.

Budo-Pädagogik Seminar in der Kampf-Kunst-Akademie Shoto-Kempo.Kai e.V. in Stade, Niedersachsen

Budo-Pädagogik Seminar in der Kampf-Kunst-Akademie Shoto-Kempo.Kai e.V. in Stade, Niedersachsen

Wer sich selbst nicht mehr als Lernender begreift , sich dem „Anfängergeist“ verschließt, hört auf sich (innerlich) zu bewegen und verlässt, damit den „Weg“ (DO). Diese bewusste „innere Bewegung“ des Budopädagogen, drückt sich in einer besonders Achtsamkeit im Tun, so auch innerhalb eines Lehr-Lern Settings, aus. In der Achtsamkeit liegt der Schlüssel zu einer innerlich berührenden menschlichen Begegnung zwischen Budopädagogen und Klienten, was neuen Raum für Besinnung schafft.

Taoismus & Zen Philosophie für Persönlichkeitsentwicklung

BUDO-Pädagogik als von dem Erziehungswissenschaftler und Lehrmeister (7. Dan, Hanshi) Dr. Jörg- Michael Wolters in den 1990er Jahren begründete Methode nutzt nun die systematisierten Inhalte und Methoden traditioneller Kampfkünste auf der Grundlage taoistischer und zen-buddhistischer „Weg“-Philosophie und Praxis, um den persönlichkeitsfördernden Wert von Kampfkunst professionell beim Klienten, Patienten, Kunden zu entfalten.

Der methodisch-didaktische Einsatz der von Wolters extrahierten sechs „Wesenselemente“ von Kampfkunst (BU, DO, DOJO, REIGI, SHITEI, ZEN) unter Berücksichtigung der sechs Wirkprinzipien [2] ermöglicht, völlig neue Wege und Zugänge in Pädagogik, Therapie und Coaching.

[2] ISHO: Prinzip der Ganzheitlichkeit; ONMYODO: Prinzip der Polaritäten Yin-Yang; MITUTOMOE: Prinzip der Dreistufigkeit im Entwicklungsprozess; SHIDAI: Konzept der Vier Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft; GOGYU: Konzept der Fünf Wandlungsphasen; ISONSEI: Synergie der Sechs Wesenselemente

Dort wo Menschen in ihrem Prozess scheinbar völlig festgefahren und „hoffnungslos“ scheinen, bewirkt BUDO-Pädagogik ganzheitlich Bewegung und ermöglicht über körper- und bewegungsorientierte Erlebnisse spezifische Lernerfahrungen, die einer Veränderung oder Förderung von Verhalten und Denken unterstützen.

Fleißig lernend und später lehrend – Budo-Pädagogik Weiterbildung

Fleißig lernend und später lehrend – Budo-Pädagogik Weiterbildung

Hinter den Kullissen der Budotherapie

Das Internationale Institut für Budopädagogik und Budotherapie (IfBP), das für Güte- und Qualitätskriterien sowie die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Fachs verantwortlich zeichnet, bietet nunmehr im dritten Jahrzehnt die weltweit einzige Weiterbildung ihrer Art in Kooperation mit den führenden Mastern und Instructoren und dem internationalen Berufsverband für Budopädagogen/innen (BvBP e.V.) an. Der Berufsverband vertritt die zertifizierten Budopädagogen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden und Dänemark.

Die Weiterbildung, die sich an engagierte Kampfkünstler, aktiv Wegsuchende und visionäre Wegbereiter richtet, findet über 1,5 Jahre an 30 Tagen in Blockveranstaltungen (an verlängerten Wochenenden sowie einer Intensivwoche) statt. Sie ist zahlenbeschränkt, damit einen hohe Qualität in der persönlichen Ausbildung gewährleistet wird.

Die nächste, 14. Kursreihe beginnt im September 2018, die Bewerbungsfrist bis August 2018 über das Institut für Budo-Pädagogik hat begonnen. Detaillierte Infos findest du dort:

Infos und Kontakt:

Institut für Budopädagogik und -therapie (IfBP)
Dr. J.-M. Wolters
Tilsiter Str.11, D-21680 Stade

www.budopaedagogik.de

Die Autorin:

Mag.a Doris Nachtlberger
(Budopädagogin Master- Level, Budotherapeutin – IfBP)

Praktiziert Kung Fu, Tai Chi Chuan und Iaido. Mit dem Dojo Kokoro betreibt sie in Wien eine Übungsstätte für budopädagogischen/-therapeutischen Einsatz mit Jugendlichen und Erwachsenen. Sie ist Mitglied im Aufsichtsrat des BvBP e.V. und Ansprechpartnerin für Österreich

www.budopaedagogik.wien

Bücher über Budo-Pädagogik

Bildnachweise (von oben nach unten): Text und Bild von Doris Nachtlberger