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Aikido – Moderne Kampfkunst mit jahrhundertealten Traditionen

Eckdaten

Namensbedeutung: Aikidō (jap. 合気道 oder 合氣道) Ai („Harmonie“) Ki („Lebensenergie“) Do („Weg“)
Entstehungsdatum: Anfang des 20. Jahrhunderts
Ursprungsland: Japan
Kampftechniken:
(Waffenlos)
Schläge, Tritte, Würfe und Hebel
Waffenkampf:
Eingesetzte Waffen: Bokken (Nachbildung eines Katana Schwertes aus Holz), Jo (Stock) und Tanto (Holzmesser)

Die Bedeutung des Begriffes Aikido

In verschiedenen Phasen der Entwicklung benannte Morihei Ueshiba die Kampfkunst Aiki-Bujutsu, folgend von Aiki-Budō und erst inmitten des Zweiten Weltkrieges, letztendlich in Aikido um. Der Name selbst wird aus drei sinojapanischen Schriftzeichen zusammengesetzt: 合気道; Ai „Harmonie“, Ki „Lebensenergie“, „universelle Energie“, Dō „Lebensweg“ und kann daher verstanden werden als „Der Weg der Harmonie im Zusammenspiel mit Energie“ oder „Weg zur Harmonie der Kräfte“. Die Bezeichnung bezieht sich darauf, dass Aikido Techniken die Angriffe nicht blocken, sondern die Energie des Angriffes in einen Konter umsetzen und anschließend kontrollieren.

Geschichtliche Hintergründe des Aikido

Die Basis liegt in den jahrhundertealten, japanischen Kampfkünsten und Traditionen der Samurai. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Morihei Ueshiba, als Schüler von Takeda Sôkaku, das Aikido. Sein Freund und Mentor Deguchi Ônisaburô war ebenfalls daran beteiligt. Als Grundlage diente das Studium verschiedener Schwert-, Lanzen- und waffenlosen Kampfstile. Durch die Fusion mehrerer traditioneller Kampfkünste, entstand schließlich das Aikido. In Tokio (Japan) eröffnete der Gründer Morihei Ueshiba die Haupt-Übungshalle, das sogenannte Honbu Dōjō. Seitdem breitete sich Aikido über die ganze Welt aus. Etwa um 1960 kam Aikido auch nach Deutschland.

Aikido Philosophie – Die Harmonie zwischen Angriff und Verteidigung

Der verteidigende Aikidoka versucht nicht mit seiner eigenen Kraft, die Kraft des gegnerischen Angriffes aufzuhalten, sondern nutzt die aggressive Kraft des Angriffs und verstärkt diese mit der eigenen Energie. Die Kräfte werden somit vereint und vervielfacht. Bewegungen verschmelzen und gehen ineinander über.

Aikido Wurf

Foto: 51st All Japan Aikido Demonstration von L’oeil étranger CC BY 2.0

Die Kontrolle über die Situation verschiebt sich jedoch nicht, sondern bleibt immer beim Werfer. Da er in jedem Moment die Bewegungen sicher kontrollieren kann, ist es ihm möglich, das Leben und die Gesundheit des Angreifers zu schützen. Gewisse Formen einiger Techniken können definitiv tödlich sein, sind aber vom Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba (1883-1969) entsprechend weiterentwickelt worden. Von einer Zerstörung des Gegners wird abgesehen, die Intentionen des Aikido sind Harmonie und das Bewahren von Leben.

Proaktive Verteidigung

Die Basis des Zweikampfes fundiert auf dem Angriff des Gegners. Die Idee besteht darin, die Angriffsbewegung noch vor ihrer Vollendung zu vereiteln. Der Aikidoka bewegt sich auf den Angreifer zu, um effektiv in dessen Bewegungsmuster eingreifen zu können. Dadurch verschmilzt Angriff und Verteidigung zu einer harmonischen Einheit. Auf diese Art nimmt der Verteidiger eine pro-aktive Position ein, kontrolliert die weitere Kampfhandlung und erlangt die Überlegenheit, während der Angreifende gezwungen ist zu reagieren. Das Prinzip der proaktiven Verteidigung wird auch von vielen anderen Budōka durchgeführt.

„Gnade“ im Zweikampf

Sowohl in einem fairen Wettkampf als auch in einem ungleichen Straßenkampf, gibt es einen Überlegenen (Gewinner) und einen Unterlegenen (Verlierer). Dabei ist es unerheblich, ob gekämpft wurde oder nicht. Eine solche Konfliktsituation birgt die Gefahr, einer Gewaltspirale. Der Unterlegene bekommt schnell Gefühle von Rache und Vergeltung. Es nicht um’s Gewinnen oder Verlieren. Ziel ist es, die Rolle des Unterlegenen aufzulösen.

„Wenn du angegriffen wirst, schließe deinen Gegner ins Herz.“ – Morihei Ueshiba

Das Weltbild des Aikido lässt sich als offenkundig und friedfertig bezeichnen. Ein Aikidōka versucht normalerweise den Gegner nicht zu verletzen, sondern ihn nur außer Gefecht zu setzen. Dadurch soll bezweckt werden, dass dem Angreifer nochmals eine Chance gegeben wird, sich einsichtig zu zeigen und auf einen weiteren Angriff verzichten zu wollen. Ungeachtet dessen, sind dem Aikidōka Mittel gegeben seinen Gegner erheblich zu verletzen. Frei nach den Worten von Morihei Ueshiba:

„Wahres Budō dient jedoch nicht einfach dazu, den Gegner zu zerstören; es ist viel besser, einen Angreifer geistig zu besiegen, so dass er seinen Angriff gerne aufgibt.“ – Morihei Ueshiba

Ausgewählte Aikido Videos

45 min. Dokumentation auf englisch von National Geographics über die Kampfkunst.

45 minütige „Samurai Spirit“ TV Serie: unterhaltende Doku über Aikido.

Ein kurzer Video Einblick in die Wesenszüge und wesentlichen Aikidotechniken. Gut gemachtes Video!

Demonstration von Doshu Moriteru Ueshiba and Waka Sensei Mitsuteru Ueshiba in Japan.

Waffentechniken (Buki Waza)

Die ursprünglichen Bewegungsabläufe von Morihei Ueshiba’s Aikido Kampfkunst wurden wesentlich beeinflusst vom Schwertkampf und dessen strategischen und taktischen Vorgehensweise. Das ist auch ein faszinierender Teil am Aikido, weil die Bewegungen sowohl mit als auch ohne Waffen ausgeführt werden können. Die Ausführung der Bewegung mit Waffen bringt beim Üben einen großen Vorteil mit sich. Der Ursprung der Technik bringt ein tieferes und umfassendes Verständnis für die Bewegung.

Gängige Aikido Waffen. Foto von Bjørkhaug CC BY 3.0

Gängige Aikido Waffen. Foto von Bjørkhaug CC BY 3.0

Es gibt kein einheitliches Waffensystem im Aikido. Für den Umgang mit Waffen, hatte O-Sensei Morihei Ueshiba kein umfangreiches Lehr- oder Unterrichtssystem kreiert. Die tatsächliche Ausformulierung von Morihei’s Lehre, sowohl ohne als auch mit Waffen, haben seine Schüler übernommen. Diese brachten ihren eigenen Hintergrund mit, abhängig davon, welche andere Kampfkunst und welchen Waffenstil sie vorher erlernt hatten oder nebenher praktizierten. Daraus erklärt sich, neben den stilistischen Unterschieden, auch die variierende Betonung auf Waffen in den Linien der verschiedenen Stile. Gängige Aikido Waffen sind:

  • Japanisches Holzschwert (Bokuto oder Bokken. Die Benennung Bokken ist im Westen mehr verbreitet.) Das Schwert ist die wichtigste Waffe eines Aikidoka’s und hat die Form eines Katana’s. Es sind 7 Grundformen definiert und verschiedene Partnerübungen.
  • Stock (Jo) Ein Jo ist ein runder aus hartem Holz gefertigter Stock. Generell ist die Stocklänge auf 127,6cm definiert, kann aber auch der jeweiligen Körpergröße des Aikidoka angepasst werden. Die Länge des Jo sollte sich ungefähr an der Höhe der Achselhöhle orientieren. Hier gibt es 20 Grundformen, genannt Suburi. Je nach Aikido Stil gibt es zusätzlich verschiedene Kata’s (Bewegungsabläufe).
  • Messer (Tanto) Im Aikido wird mit einem Holzmesser trainiert. Üblicherweise ist es ein leicht gebogenes japanisches Kampfmesser mit einer einschneidigen Klinge. Die Klingenlänge beträgt ungefähr 30cm.

Aikikai Waffentraining

Das Waffentraining im Aikikai Deutschland umfasst beispielsweise:

  • Einzelübungen (Jo-suburi, Ken-suburi)
  • Partnerübungen (Jo-awase, Ken-awase)
  • Definierte Partnerformen (Kata)
  • Entwaffnungstechniken (Jo-dori, Tachi-dori, Tanto-dori)
  • Aikido-Techniken mit Stock (Jo-waza, Jo-nage)

Foto Aikido Parade von Yenpo Chou CC BY 2.0

Keiko-Gi und Hakama – Traditionelle Übungskleidung

Als Übungskleidung wird der Keiko-Gi getragen. Dieser wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Kanō Jigorō (Begründer des Jūdō) eingeführt. Schüler höheren Könnens hingegen, tragen darüber eine Art Hosenrock, Hakama genannt. In den unterschiedlichen Stilrichtungen, wird erst ab dem 1. Dan (Fortgeschrittenen- oder Meistergrad) ein Hakama getragen. In den Anfangszeiten war es jedoch üblich, dass jeder Aikidōka von Beginn an einen Hakama trug. Erst ab der Zeit des zweiten Weltkrieges wurde dies geändert, da die Stoffe für viele Schüler unerschwinglich waren. Deswegen baten sie Morihei Ueshiba’s um Erlaubnis, ohne einen Hakama an seinem Unterricht teilhaben zu können. Seitdem ist es in vielen Dōjō normal, dass die Schüler bis zum ersten Dan oder zumindest bis zu einem der höheren Kyū (Schülergrad) ohne Hakama üben. Die Farbe des Hakama spielte ebenfalls keine Rolle, obwohl heute meist schwarze oder dunkelblaue Hakama beim Training benutzt werden.

Aikido Training – Allgemeiner Ablauf und Unterricht

Normalerweise führt der Lehrer mit einem Schüler mehrmals eine Technik vor, welche von allen Schülern paarweise nachgespielt werden. Die Übungspartner tauschen nach jedem vierten Versuch die Rollen von Angreifer und Verteidiger. Bei jeder neuen Variante wählt man einen anderen Übungspartner. Da man auf diese Weise die Hälfte der Zeit auf der Empfängerseite der Bewegungen verbringt, sollte im Training dieser Rolle (der Rolle des uke), mindestens die gleichbedeutende Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie den eigentlichen Techniken. Ein normales Aikido-Training ist aufgebaut aus:

  • Aiki-taiso – Aikido-typische Aufwärmübungen, Atemübungen
  • Ukemi – Übungen zum Rollen und Fallen
  • Waza – Einzelübungen, und Techniken mit Partner
  • evtl. Randori, Jiyu-waza – mehrere Angreifer, freies Bewegen

Mit fortschreitendem Training tritt die Kraft des Körpers fortlaufend in den Hintergrund und wird ersetzt durch Genauigkeit, Beweglichkeit und Konzentration. Angriffe werden im Vergleich und Gegensatz zu anderen Kampfsportarten nicht geblockt sondern umgelenkt, so dass der Verteidiger einen Vorteil erlangt. Dabei werden zwei Prinzipien verwendet, „irimi“ und „tenkan“. „Irimi“ ist die Idee des „in den Angriff Eintretens und mit ihm Harmonisierens“, währenddessen man mit „tenkan“ den Angriff mit einer Drehbewegung an sich vorbeigleiten lässt und dabei mit ihm harmonisiert.

Graduierungssystem im Aikido

Die Graduierungen im Aikidō entfalten sich hierarchisch und werden nach einer Prüfung vergeben. Die Abläufe, die dabei geprüft werden, können beim jeweiligen Dojo unterschiedlich sein. Außerdem können Aikidōka auch durch verschiedene Ehren aufsteigen, wie z.B. der Lehre oder der Verbreitung von Aikidō. Der Begründer Morihei Ueshiba und seine Söhne stehen außerhalb des Gradsystems. Angefangen vom

  • 6. und 5. Kyo mit der Gürtelfarbe Weiß,
  • über den 4. und 3. Kyo mit der Farbe blau,
  • weiter mit dem 2. und 1. Kyo mit der Farbe braun,

teilen sich die einzelnen Grade auf. Folgend kommt man in die Abteilung der Dan, und ab dem 1. bis zum 9. Dan bekommt man im Aikidō den Schwarzgurt.

Graduierung Heute

Anhand des neuen Systems, hat sich die Graduierung erheblich verfeinert. Heutzutage unterscheidet man üblicherweise bezüglich der Schüler-Grade (Mudansha) in sechs Stufen. Es existieren auch Aikido Systeme mit mehr als sechs Stufen, z.B. neun oder auch zwölf. Über jenen Stufen der Schüler stehen die Grade, die man als „DAN“ bezeichnet. Das Wort „DAN“ bedeutet jedoch nicht mehr als „Stufe“. Mit dem ersten Dan (Shodan) wird also jemandem ausgezeichnet, der nach der Basisausbildung als Schüler die erste Stufe erobert hat. Ein Shodan ist also noch kein Meister. Noch damals in den alten Schulen der asiatischen Kampfkünste waren Graduierungen nicht wirklich vorhanden. Meistens wurden jene Künste innerhalb von geheimen Verbünden oder im kleinen Kreis der Familie ausgeübt. Aufgrund dieser Grenzen bestand kein Zwang für Graduierungen.

Aikido und Wettkampf?

Wettkampf im Aikido ist generell sehr umstritten. Die überwiegende Mehrzahl der weltweit aktiven Aikidōka umfassenden Gruppierungen sind der Ansicht, dass jede Art von Wettkampf im Aikido keinen Platz hat. Da Aikido im eigentlichen Sinne eine defensive Kampfkunst ist, erscheint es eher unverständlich, daraus einen Wettkampfsport zu machen.

„Das Geheimnis von Aikido liegt nicht darin, wie du deine Füße bewegst, sondern wie du deinen Geist bewegst. Ich unterrichte euch nicht eine Kampfkunsttechnik, ich unterrichte euch Gewaltlosigkeit.“ – Morihei Ueshiba

Aikido in Deutschland

Aikido Schulen mittleren und größeren Stadt. Zu den Hochburgen gehört Aikido in Köln. Man kann dort in einer Schule von von Dr. Bodo Rödel (5. Dan Aikikai) trainieren. Aber auch in Kleinstädten kann man Unterricht nehmen. Am Besten nach Aikido im jeweiligen Umkreis googlen. Auf der Seite des deutschen Aikido Bunds, findet man eine Vielzahl an eingetragenen Dojos oder Vereinen. Bei fast jeder Aikido Schule und jedem Verein, kann man an einem kostenlosen Probetraining teilnehmen. Wie bei anderen Kampfkünsten auch, umfasst das Trainingsangeboten zwischen 2 und 5 Trainingsabenden pro Woche. Die Kosten für die Mitgliedschaft in einem Verein, liegen zwischen 50,- und 150,- Euro pro Jahr. Bei professionellen Aikidoschulen zahlt man zwischen 500,- und 1000,- Euro pro Jahr. Oft gibt es für Einsteiger auch spezielle Einführungskurse. Wer Lust hat, sollte sich eine Schule in der Nähe suchen und nach Rücksprache einfach am Probetraining teilnehmen. Meistens wird der Aikido Unterricht von Aikido-Danträgern und fortgeschrittenen Schülern geleitet. Wer die entsprechenden Grundkenntnisse besitzt, hat zusätzlich noch die Möglichkeit an Wochenendseminaren teilzunehmen und somit die Chance mit Aikidoka anderer Gruppen zu trainieren.



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Bildnachweise (von oben nach unten):

Minegishi Sensei performance von Ignat Gorazd CC BY 2.0 / Bildausschnitt & Größe verändert 51st All Japan Aikido Demonstration von L’oeil étranger CC BY 2.0 / Bildausschnitt & Größe verändert Gängige Aikido Waffen von Bjørkhaug CC BY 3.0 / Bildausschnitt & Größe verändert Parade von Yenpo Chou CC BY 2.0 / Bildausschnitt & Größe verändert a throw von  Doug Geisler / Old Sarge CC BY 2.0 / Bildausschnitt & Größe verändert